Ich gebe den Großteil meines Millionenunternehmens weg und das ist der Grund

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Mark Vletter
27 November 2025
7 min

Dieses Jahr ist es genau einundzwanzig Jahre her, dass ich Voys als Projekt bei TNO gestartet habe. Eigentlich ein perfekter Moment, um voller Stolz und Nostalgie zurückzuschauen, aber ehrlich gesagt? Ich blicke lieber nach vorn. Denn unsere Welt steht vor enormen Herausforderungen: wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich.

In diesem Blog erzähle ich Dir, warum ich mein Millionenunternehmen größtenteils verschenke und wie ich das angehe. Gut zu wissen: ein goldenes Ticket in Deiner Schokoladentafel kannst Du Dir abschminken.

(Es ist noch viel schöner!)

Wir haben versehentlich eines der ersten Cloud-Telefoniesysteme der Welt entwickelt

Für den Kontext ist es hilfreich, wenn ich Dir die Geschichte von Voys kurz skizziere.

Vielleicht erwartest Du jetzt eine brillante Geschäftsidee, mit der ich Voys aus einer klaren Vision heraus gestartet habe. Aber die echte Geschichte ist eine andere.

Ich habe mein Abschlusspraktikum bei TNO gemacht. Dort durfte ich zusammen mit drei anderen jungen Wilden mit der Zukunft der Internet-Technologie herumexperimentieren. Wir entwickelten für uns selbst eine Online-Telefonanlage, damit wir in dieser Organisation mit 5.000 Mitarbeitern gut telefonisch erreichbar waren.

Im Nachhinein betrachtet bauten wir eines der ersten Cloud-Telefoniesysteme der Welt, aber das wurde uns erst Jahre später wirklich bewusst. Und dass daraus ein Millionenunternehmen entstehen würde, hat damals schon gar niemand geglaubt. Denn wer gründet schon einen Telekommunikationsanbieter aus seinem Studentenzimmer heraus?

Auf dem Papier bin ich Eigentümer, aber in meinem Herzen bin ich Kollege

Voys war für uns schlicht ein Weg, zu beweisen, dass die Technik, die wir uns ausgedacht hatten, funktionierte. Und dass es einen Markt dafür gab. Daraus wurde ein großartiges Unternehmen, und ich bin wahnsinnig stolz auf Voys.

Aber ich habe dieses Unternehmen nicht allein aufgebaut. Das habe ich zusammen mit einer großen Gruppe (ehemaliger) Kollegen getan, die hart gearbeitet haben, um gemeinsam die Telekomwelt zu verändern. Auf dem Papier bin ich Eigentümer, aber mir ist sehr bewusst, dass Voys ohne diese Menschen nicht da wäre, wo es heute steht. Die Eigentümerschaft von Voys ist deshalb deutlich breiter verteilt und so fühlt es sich für mich auch an.

Gleichberechtigte Zusammenarbeit 2.0

Wer uns schon länger folgt, weiß, dass wir selbstorganisiert arbeiten. Macht beeinträchtigt für mich die gleichberechtigte Art und Weise, wie ich mit Kollegen zusammenarbeiten möchte. Selbstorganisation ist deshalb ein wichtiger Teil unserer Identität. Die Freiheit und Verantwortung, die Kollegen haben, um ihre Aufgaben zu erfüllen, macht uns zu dem, was wir sind, und prägt unseren Blick auf die Welt.

Weil wir bei Voys selbstorganisiert arbeiten, baut jede und jeder am Unternehmen mit. Und alle tragen Verantwortung für das Wachstum des Unternehmens. Diese Verantwortung teile ich also mit anderen. Das bedeutet, dass die Last des Unternehmertums nicht allein auf meinen Schultern liegt.

Das Gleichgewicht zwischen Risiko und Belohnung ist nicht mehr fair

Das Bestehen von Voys verdanken wir:

  • Unseren Kunden, die uns vertrauen und monatlich für unsere Dienste bezahlen
  • Unseren Kollegen, die sich jeweils mit ihrer eigenen Expertise für das Wachstum unseres Unternehmens einsetzen
  • Der niederländischen Infrastruktur, auf der wir unser Unternehmen aufgebaut haben
  • Der Innovation von TNO, die uns den Raum gegeben hat, zu lernen und zu experimentieren

All diese Faktoren zusammen haben Voys zu einem Millionenunternehmen gemacht.

Ist es dann fair, dass ich als Eigentümer Anspruch auf alle wirtschaftlichen Vorteile habe, die aus Voys hervorgehen? Ich finde nicht. Es ist Zeit für den nächsten Schritt: Wir möchten den Wert von Voys auf eine fairere Weise verteilen.

Einen positiven Beitrag für die Welt leisten

Wir wollen mit Voys einen positiven Einfluss auf die Welt haben. Geld zu verdienen ist dabei kein direktes Ziel, sondern ein Ergebnis. Es ist einfach notwendig, um ein erfolgreiches Unternehmen wachsen zu lassen. Das Ergebnis entsteht aus einem guten Produkt, das für unsere Kunden einen echten Wert hat.

Wir machen Dinge oft ein bisschen anders als andere. Eine neue Art von Eigentümerschaft passt da perfekt hinein.

  • Wir haben eine Online-Telefonzentrale aufgebaut, als das noch niemand tat
  • Wir haben mit selbstorganisierter Arbeit begonnen, als Manager noch der Standard waren
  • haben immer nach unseren Werten wie Privatsphäre, Gleichheit und Freiheit gearbeitet, auch wenn wir dafür unseren Kopf riskieren mussten.

In diesem Sinne macht es durchaus Sinn, ist es eigentlich ziemlich logisch, mein Millionenunternehmen zum großen Teil zu verschenken.

Warum ein Börsengang keine Option ist

Das eigene Unternehmen an die Börse zu bringen, ist für viele große Organisationen ein logischer nächster Schritt. Aber genau das werden wir nicht tun. Es passt nicht zu der Art und Weise oder Vorstellung, wie wir Eigentümerschaft in Zukunft sehen.

Sobald Du an die Börse gehst, werden andere Menschen Eigentümer Deines Unternehmens. Diese Menschen schauen oft nur auf eins: wirtschaftlichen Wert (und dessen Zuwachs). Voys hat aber so viel mehr Wert als nur wirtschaftlichen.

Mit unserer Stiftung 48percent.org setzen wir uns dafür ein, die digitale Lücke zu schließen, damit alle Zugang zum Internet bekommen und damit faire Chancen auf Bildung, Arbeit und Wohlstand.

Wir schaffen Arbeitsplätze, tragen viel zur Bildung der nächsten Generation bei, geben große Teile unseres Produkts an die Welt zurück, indem wir den Code als Open Source zur Verfügung stellen, wir experimentieren mit besseren Formen der Unternehmensführung und wir haben ein großartiges Buch (auf Niederländisch) und ein Handbuch geschrieben, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Voys hat damit vor allem einen großen gesellschaftlichen Wert. Wirkung zu erzielen, ist für uns das Allerwichtigste und das geht nur ohne Aktionäre, die Bedingungen an unser Wachstum knüpfen und daraus auch noch Konsequenzen ableiten.

Voys‘ Mission für die Zukunft absichern

Wir werden also Macht und Millionen innerhalb von Voys besser verteilen, ohne Aktionäre. Das Wichtigste für mich ist, die Mission von Voys für die Zukunft abzusichern.

So können wir auch langfristig echte Wirkung in der Welt erzielen. Das geht nur, wenn wir über den Gewinn hinausdenken.

Wir haben gemeinsam ein System geschaffen, das wirtschaftlichen Wert auf Kosten von Menschen und Planet erzeugt, und das muss sich ändern, wenn wir vorankommen wollen.

Ein paar Fakten:

  • Die Niederlande sind eines der reichsten Länder der Welt, aber die Armut nimmt zu und betrifft inzwischen fast 1 Million Menschen
  • Die reichsten 1% der Welt haben in den vergangenen zwei Jahren fast doppelt so viel Vermögen aufgebaut wie der gesamte Rest der Welt zusammen
  • Unser Klima verändert sich radikal, mit Verlust von Artenvielfalt, dem Ausbeuten natürlicher Ressourcen, Dürren, Waldbränden, Hitzewellen und geringeren Ernteerträgen als Folge

Das sind Entwicklungen, die wir nicht ignorieren können und für die wir als Unternehmen Verantwortung übernehmen müssen. Aber es wirkt fast wie eine eingebaute Standardfolge unseres aktuellen Systems von Eigentümerschaft, das sich auf wirtschaftliche Aktionärsvalue (Shareholder Value) fokussiert. Wir müssen deshalb mit neuen Formen des Eigentums experimentieren, bei denen dieser wirtschaftliche Impuls aus dem steuernden System herausgenommen wird.

So werde ich mein Millionenunternehmen weggeben – Steward Ownership

Wir haben lange nach Alternativen für Eigentümerschaft gesucht, die zu einer neuen Wirtschaft passen, in der unsere Mission und unsere Werte für die Zukunft gesichert sind.

Das haben wir in Steward Ownership gefunden, einem Eigentumssystem, das sehr gut zu unserer Sicht auf Zukunft, Eigentümerschaft und unseren Umgang mit Macht und Millionen passt.

Und mit Blick auf unsere gewünschte Zukunft sind sieben Punkte entstanden, die ein neues System für Eigentümerschaft erfüllen muss.

  1. Das System muss die Verwaltungs- und die wirtschaftlichen Rechte trennen; wenn Du diese vermischst, entstehen ungesunde Kräfte im System
  2. Das System muss robust und zukunftssicher sein, was bedeutet, dass Du Vereinbarungen, die jetzt sehr sinnvoll erscheinen, später anpassen kannst, wenn das nötig ist
  3. Die Philosophie – die Existenzberechtigung und die Werte – des Unternehmens müssen gesichert sein
  4. Kollegen, Kunden und unser Gedankengut müssen ein Mitspracherecht bei der Entwicklung des Unternehmens haben.
  5. Die Organisation muss ein selbstorganisiertes System bleiben
  6. Die Übertragung muss bezahlbar sein. Das klingt logisch, ist aber innerhalb der niederländischen Gesetzgebung komplex
  7. Das System muss transparent sein

Entdecke, wie Steward Ownership genau funktioniert

Die Art und Weise, wie wir Steward Ownership ausfüllen wollen, verteilt Macht und wirtschaftlichen Wert meines Unternehmens auf eine gerechte Weise, jetzt und in der Zukunft.

Für Voys ist das eine sehr gute Lösung, weil sowohl die Kollegen, unsere Kunden als auch unsere Ideale im System vertreten sind und eine Stimme haben. So werden alle Interessen, die wirklich zählen, von einer Stiftung gesichert, die die Verantwortung für die Unternehmensführung trägt.

Neugierig, wie das genau funktioniert?

Lies Dir dieses Blog von mir durch, wenn Du mehr über Steward Ownership (auf Englisch) erfahren willst, wie Du es in Deinem eigenen Unternehmen anwenden kannst und welche Schritte wir bei Voys jetzt gehen.

Weitere Informationen:

Was ist VoIP? – Erklärung und Vorteile von Voice over IP – Erfahre, wie VoIP funktioniert und welche Vorteile es für Unternehmen und Telearbeiter bietet.
Produktübersicht von Voys – Entdecke die VoIP-Lösungen von Voys und finde den perfekten Plan für Dein Home Office.
Funktionen & Tarife – Informiere Dich über alle Funktionen und Tarife, die für VoIP-Telefonie verfügbar sind.

Wenn Du VoIP-Telefonie für die smartesten Unternehmen in Deutschland in Deine täglichen Arbeitsabläufe einbindest, kannst Du deine Remote-Arbeitserfahrung auf die nächste Stufe heben und sicherstellen, dass Du immer erreichbar und bereit bist neue Herausforderungen anzunehmen.

Wir freuen uns auf Deinen Anruf.

Oder schicke eine Mail an info@voys.de